Dienstag, Oktober 04, 2005

East-West-Connection

Ich dachte die Mauer wäre in den Köpfen längst gebrochen. Aber zu früh gefreut und nicht an die "Alterwürdigen" gedacht. In einem unglaublich Gespräch mit einem Bürger aus den neuen Bundesländern wurden mir die Neuigkeiten im Umgang mit der Einigung unterbreitet.
"Die Wessies haben uns doch alle abgezockt und denen geht es nur so gut, weil die Wiedervereinigung war."
Leuchtete mir nicht so ein und deshalb entgegnete ich mit aller Vorsicht: "Naja, aber ihnen ging es doch ohne uns besser und die haben uns doch in aller Hinsicht unterstützt. Auch wenn in meinen ökonomisch geprägten Augen die Einigung viel zu schnell vollzogen wurde, haben wir doch davon profitiert. Vielleicht wäre ohne Wiedervereinigung der soziale Zerfall Deutschlands um Generationen verschoben worden!"
"Ja aber es müsste mehr Geld für die Schaffung von Arbeitsplätzen hier im Osten ausgegeben werde. Die haben doch unsere Betriebe und die darin verwendeten Maschinen verkauft und damit den Rubel in ihre Taschen gespielt. Und nun haben wir hier nichts mehr. Die haben uns verkauft."
"So kannst du es auch nicht sehen. Man hätte unsere Vorteile, die günstigen Arbeitskräfte, ausnutzen sollen und dann hätte es schon anders ausgesehen. Nicht diese Ruck-Zuck-Vereinigung, sondern eine schleichende langsame Annäherung. Dann hätten wir aus eigener Kraft wachsen können. Und woher soll denn das Geld für die Schaffung der Arbeitsplätze in den neuen Bundesländern kommen? Würdest du auf einen Teil deines Einkommens verzichten, um anderen zu helfen?"
"Nein, nein, nein, nicht ich, sondern die sollen bezahlen, nicht ich. Ich habe dafür hart gearbeitet und ich will auf nichts verzichten."
Immer das gleiche. Es soll allen besser gehen, aber bei mir darf sich nichts ändern. Wie zuvor: Alle wollen einen Arbeitsplatz, aber keiner will arbeiten. "Sollten wir nicht da produzieren, wo es auch am günstigsten ist und nicht alles durch Umfinanzierung an der Herz-Lungen-Maschine anschließen? Ist es nicht sinnvoller Geld zukunftsorientiert zu investieren?"
"Nein, wir die müssen für uns zahlen. Die DDR war nicht schlecht", was ich auch nicht in allen Bereichen verneinen kann, "und uns ging es nur so schlecht, da wir in den Warschauer Pakt soviel Geld zahlen mussten."
Das war der Tropfen auf den Heißen Stein. Ich habe resigniert und mich geschlagen gegeben. Jedesmal, wenn ein "Alterwürdiger" einen Disput provoziert, dann probiere ich mich rauszuhalten. Nicht immer gelingt es mir, aber immer wieder stelle ich diese Sturheit in den alten Köpfen fest. Zu verdenken ist es ihnen nicht, aber kann man nicht doch etwas über den eigenen Gartenzaun schauen? Wie lange werden mir solche Menschen noch begegnen? Bitte, bitte nicht mehr zu lang. Den Generationen danacht wünsche ich einfach mehr Weitsichtigkeit und kein Ost-West-Gedanken mehr. Der Kaltekrieg wird heute in den muffigen Wohnzimmern mit Gedanken ausgefochten. Lassen wir es sein!